Königswinter und Bonn im Zusammenhang sehen

Informationsveranstaltung über Bauplanungen im Pleiser Ländchen stößt auf großes Interesse

„Ich bin erschüttert, wenn ich das hier sehe“ oder „Sind die da schon wieder dran“, das sind immer wieder gehörte Reaktionen der Besucher auf Gut Heiderhof am vergangenen Sonntag. Mehr als 200 Bürger haben den Weg hierher gefunden, um sich in der Reithalle über Bauvorhaben zu informieren, die rund um das Pleiser Ländchen entstehen könnten und die in den Ratsgremien teilweise auch schon zur diskutiert werden. Unter den Besuchern etliche Politiker, wenn auch nicht in dieser Funktion eingeladen. Gemeinsam wollen einige Bürgervereine und -initiativen aus Königswinter und Bonn vielmehr den Bürgern präsentieren, was auf sie zukommen kann. Schon beim Eintritt blickt man auf eine große Karte, auf der einige Flächen in Rot eingezeichnet sind: zwei um Vinxel herum, drei in Stieldorf, zwei auf der Bonner Seite, alles mehr oder weniger weit entwickelte Bauplanungen. Auf einen Blick wird ersichtlich, dass diese auf alle Fälle in einem engen räumlichen Verhältnis zueinander stehen.

„Wir wollen heute vor allem deutlich machen, dass es nicht mehr um einzelne Baumaßnahmen geht, sondern in nächster Zeit auf Königswinterer und auf Bonner Seite Planungen umgesetzt werden können, die einen Zuwachs von 5.000 und mehr Bewohnern hier im Pleiser Ländchen bedeuten könnten“, so Jörg Bruns, einer der beiden Sprecher der Bürgerinitiative Vinxel. Diese hatte sich im letzten Jahr gegründet, als es noch um vergleichsweise kleine Flächen um den Alten Hobshof und am Kapellenweg in Vinxel ging. Doch nach dem Verkauf der ehemaligen Landwirtschaftskammer in Roleber an einen Investor und der Vorstellung von zehn Bewertungsflächen in Königswinter in einer empirica-Studie im Sommer sieht Bruns vor allem die Notwendigkeit, alle Vorhaben gemeinsam zu betrachten und die Verwaltungsgrenzen zwischen den beiden Kommunen in den Köpfen aufzuheben.

Besondere Sorge macht vielen Besuchern das Rot auf der Karte nördlich und westlich von Vinxel. Die Tafeln mit Details zur empirica-Studie, verschiedenen Prognosedaten und Forderungen der Vinxeler an die Politik sind daher meist stark umlagert. Auf Unverständnis stoßen dabei vor allem die Aufstellungsbeschlüsse des Planungs- und Umweltausschusses (PUA) vom Juni. Dieser hatte damit seinen eigenen Forderungen vom April und gleichzeitig einer Empfehlung der Studie widersprochen, in Ortsteilen mit weniger als 2.000 Bewohnern keine Außenentwicklung zu betreiben.

Für die Stieldorfer werden insbesondere die Hinweise auf ein knapp 10 ha großes Gewerbegebiet und auf das Areal westlich der Pfarrer-Palm-Straße zum Aufreger. Daneben hat auch eine Initiative aus Ittenbach ihre Präsentation aufgebaut. Sie berichtet von den Schwierigkeiten, am Rande des Naturschutzgebietes eine allzu massive Bebauung zu verhindern.

„Dieses einzige große und sehr beliebte Bonner Naherholungsgebiet auf der rechten Rheinseite würde seinen Naherholungswert verlieren“ sorgt sich Susanne Gura vom Verein Lebenswerte Region Bonn|Siebengebirge, der die Veranstaltung organisiert hatte. Neben der Bedeutung der Neubaugebiete für Natur und Freizeit werden auf dieser Seite der Reithalle besonders auch die Auswirkungen auf den Verkehr diskutiert. Daneben zeigen Plakate an einer Wäschespinne die Probleme mit der Zukunft der ehemaligen Landwirtschaftskammer. Für die Initiativen aus Bonn-Roleber ist es fast unmöglich geworden, die verschiedenen Erklärungen und Absichten von Investor und Stadt noch auseinanderzuhalten, zumal in Bonn Politik und Verwaltung nicht immer die gleichen Ziele verfolgen.

Nach etlichen Stunden intensiver Debatten wird es dann doch allmählich herbstlich kühl. Das greift John Peter, zweiter Sprecher der Vinxeler Bürgerinitiative auf. „Das hätte alles in einer warmen Halle stattfinden können, wenn die Städte Königswinter und Bonn es als ihre Aufgabe begriffen hätten, die Bürger auf einer gemeinsamen Veranstaltung zu informieren. Ein grenzübergreifender Bürgerworkshop bleibt daher unser Ziel.“ Doch an diesem Tag ist die Symbolkraft des Heiderhofes mit Königswinterer Adresse und Bonner Telefonnummer sicher von keinem anderen Ort zu überbieten.